Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Dekubitus / Wundliegegeschwür – Definition und Wissenswertes

rollstuhl sitzen alter

Wie es der Name vorwegnimmt, handelt es sich beim Wundliegegeschwür – auch Druckgeschwür oder Dekubitus genannt – um eine Schädigung der Haut und/oder des darunterliegenden Gewebes. Die Schädigung entsteht durch Druck des Körpergewichts gegen eine feste Oberfläche. Durch den Druck wird die Durchblutung der Haut vorübergehend unterbrochen, was zu einer Verletzung der Hautzellen führen kann. Sobald das Blut wieder fliesst, zeigt die Haut sichtbare Anzeichen von Verletzungen.

Häufigste Ursachen von Dekubitus

Ein Dekubitus bildet sich als Folge von sehr langem Sitzen oder Liegen. Davon betroffen sind insbesondere Menschen mit wenig Körperfett, Bewegungsmangel, Durchblutungsstörungen oder fehlendem Druckempfinden.

Unzureichende Bewegung oder im Rollstuhl sitzen

Bei bettlägerigen Menschen kommt Dekubitus am häufigsten an den Hüften, der Wirbelsäule, dem unteren Rücken, dem Steissbein, den Schulterblättern, den Ellenbogen oder den Fersen vor. Feuchtigkeit auf der Haut z.B. durch Schweiss, Urin oder Kot erhöht die Verletzungsgefahr der unter Druck stehenden Haut und somit auch das Risiko von Wundliegegeschwüren. Patienten mit einem Rollstuhl leiden wiederum oft an Wundliegegeschwüren am Gesäss und an den Fusssohlen.

Vermindertes Empfindungsvermögen

Dekubitus kommt häufig bei Menschen mit Nervenproblemen vor, welche nur begrenzt Schmerzen oder Beschwerden verspüren. Ohne dieses Empfinden kann der Patient die Auswirkungen eines anhaltenden Drucks auf die Haut nicht spüren. Nicht betroffene Menschen verändern automatisch die Sitz- oder Liegeposition und umgehen so das Problem der langen Druckphasen.

Durchblutungsstörungen

Menschen mit Durchblutungsstörungen neigen zur Bildung von Dekubitus, da deren Blutfluss in der Haut bereits ohne Druck schon sehr schwach ist.

Schlechte Ernährung

Ein Mangel an Proteinen, Vitaminen und Mineralien kann ebenfalls zur Entstehung von Dekubitus führen. Ältere Menschen, insbesondere über 85-Jährige, leiden häufiger unter Wundliegegeschwüren, da die Haut mit zunehmendem Alter meist empfindlicher wird.

Die Symptome von Wundliegegeschwüren

Die Entwicklung von Wundliegegeschwüren werden in vier Phasen eingeteilt, die sich je nach Schwere der Hautschäden voneinander unterscheiden:

Dekubitus Stadium 1:

In diesem Stadium sind die ersten Anzeichen von Hautschäden erkennbar. Bei hellhäutigen Menschen zeigt sich ein bleibender roter Fleck auf der Haut, der auch bei Druck auf die entsprechende Stellte nicht weiss wird. Auf dunkler Haut zeigt sich die Verletzung durch eine rote, lilafarbene oder blaue Verfärbung, wobei das nicht immer sofort erkennbar ist. Eventuell tritt ein Juckreiz auf oder die Haut fühlt sich besonders warm beziehungsweise speziell kalt an.

Dekubitus Stadium 2:

Die verletzte Haut bildet Blasen oder entwickelt eine offene (Schürf-)Wunde. Es kann zu roten oder violetten Verfärbungen kommen. Genauso kann es leichte Schwellungen und etwas Sickerwasser  geben.

Dekubitus Stadium 3:

In der Stufe 3 wird die Wunde tiefer und geht bis unter die Hautoberfläche. Die Wunde ähnelt einem Krater. Allenfalls sind bereits die darunter liegenden Muskeln und Knochen erkennbar.

Dekubitus Stadium 4:

Im vierten Stadium ist neben der Haut auch das darunterliegende Gewebe (Muskeln, Knochen, Sehen & Gelenke) betroffen. Durch die offene Wunde können Bakterien eindringen und Infektionen auslösen. Dies gilt insbesondere wenn die Wunde durch Urin oder Kot verunreinigt ist. Anzeichen einer Infektion bei Dekubitus können Geruchsbelästigung, Fieber, Hitze und erhöhte Rötung in der umgebenden Haut sein.

Erwartete Dauer von Wundliegegeschwüren

Die Dauer der Wunde hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Neben dem Schweregrad der Wunde und Art der Behandlung ist auch das Alter, der Gesundheitszustand, die Ernährung und die Bewegungsfähigkeit der Person mitentscheidend. Eine generelle Zeitangabe kann daher nicht gemacht werden.

Prävention von Wundliegegeschwüren

Um Wundliegegeschwüren bei bettlägerigen oder nur begrenzt mobilen Menschen zu verhindern, werden folgende Massnahmen empfohlen:

  • Druck auf empfindliche Stellen verringern.
  • Möglichst häufig – bei bettlägerigen Patienten alle zwei Stunden und bei Menschen im Rollstuhl stündlich – die Position verändern.
  • Kissen verwenden, um die Arme, Beine, Gesäss und Hüften anzuheben.
  • Einmal täglich den Körper der gefährdeten Person untersuchen: Die Früherkennung kann verhindern, dass sich die Rötungen im Stadium 1 verschlimmern.
  • Hautkontakt mit Chemikalien auf ein Minimum begrenzen. Vor allem reizende Antiseptika, Wasserstoffperoxid, Povidon-Jod-Lösung oder andere aggressive Chemikalien zur Reinigung oder Desinfektion der Haut sollten vermieden werden. Eine schonende Seife reicht normalweise aus.
  • Ausgewogene Ernährung mit genügend Kalorien, Eiweiss, Vitaminen und Mineralien.
  • Förderung der täglichen Bewegung zur Erhöhung der Durchblutung und Beschleunigung der Heilung. In vielen Fällen können auch bettlägerige Menschen Dehnungen und einfache Übungen durchführen.
  • Die Haut stets sauber und trocken halten.
  • Verwendung saugfähiger Kissen, um jegliche Feuchtigkeit von empfindlichen Stellen fernzuhalten.

Behandlung von Wundliegegeschwüren

Je nach Stadium der Erkrankung gibt es folgende Methoden, die in der Regel von medizinischen Fachkräften durchgeführt werden:

  • Schutz der betroffenen Hautbereiche durch das Anbringen eines Schutzfilms oder eines Gleitmittels. Auf den verletzten Bereich aufgetragen werden spezielle Verbände, um die Heilung zu fördern.
  • Bei Bedarf werden grössere Bereiche von abgestorbenem Gewebe operativ entfernt oder mit einem speziellen Medikament gelöst. Bei tiefen Kratern ist möglichweise eine Hauttransplantation oder andere Formen der rekonstruktiven bzw. wiederherstellenden Chirurgie erforderlich.
  • Wenn Anzeichen einer Infektion auftreten, kann der Arzt Antibiotika verschreiben, die als Salbe, als Pille oder intravenös (in eine Vene) verabreicht werden.
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.