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Gesundes Altern des Gehirns oder bloss den Geist nicht aufgeben

geistig aktiv bleiben mit schach im alter

«Benutze es oder verliere es»: Seit vielen Jahren predigen Forscher diesen Spruch, der frei übersetzt so viel heisst wie «Nutze Deine grauen Zellen – oder Du bist sie für immer los!»

Tatsächlich ist nach herrschender Meinung mittlerweile erwiesen, dass ein geistig aktives Leben im Alter genauso wichtig ist wie regelmässige körperliche Bewegung. Denn so wie die Muskeln mit zunehmendem Gebrauch stärker werden, hält geistiges Training die mentalen Fähigkeiten und das Gedächtnis eines Menschen im Gleichgewicht.

Aber welche Art von Bewegung ist die beste für das Gehirn? Sind bestimmte Arten von «Gehirnarbeit» wie bei der körperlichen Betätigung effektiver als andere?

Lebenslang dazu lernen

Nach Dr. Anne Fabiny, Leiterin der Geriatrie an der Cambridge Health Alliance und Assistenzprofessorin für Medizin an der Harvard Medical School gilt im Grundsatz: Jede Gehirnübung ist besser, als nichts zu tun.

Die beste Wirkung erziele man aber nur mit Aktivitäten, bei denen man die so genannte Komfortzone verlassen muss. «Wenn es zu einfach ist, hilft es nicht», sagt Dr. Fabiny, die darum ihre älteren Patienten dazu auffordert, ein Leben lang dazu zu lernen.

Die erste Hälfte des Lebens verbringt ein Mensch mit dem Aufbau der so genannten «kognitiven Reserve», was einem dichten Netz von Verbindungen zwischen den Gehirnzellen entspricht. Mit fortschreitendem Alter gelte es, mit neuen Erfahrungen dieses Verbindungsnetz zu erhalten und in Ordnung zu halten. Wer etwas Neues lernt, schafft automatisch auch neue neuronale Wege. Das ist sehr wichtig für die geistige Gesundheit.

Um diese kognitive Reserve zu erhalten, braucht es gemäss Experten eine Vielzahl mentaler Aktivitäten in unterschiedlicher Intensität, die vom Anschauen einer Fernsehdokumentation (= geringe Herausforderung) bis hin zum Erlernen einer neuen Sprache (= grosse Herausforderung) reichen sollten.

Grosser Aufwand, grosser Nutzen

Gerade Aktivitäten, zu denen man sich allenfalls überwinden muss, bringen nach Aussagen von Dr. Fabiny den grössten Nutzen. Dies kann aber dazu führen, dass man in Situationen kommt, in denen man sich unwohl fühlt.

Vor allem ältere Menschen würden gemäss Dr. Fabiny im Alter unsicher. Das Erlernen neuer Dinge könne sie darum einschüchtern oder verängstigen. Dazu kommt, dass der Prozess des Erlernens bei Senioren schwieriger wird und länger dauert als in jungen Jahren. Aus diesem Grund würden ältere Menschen dazu neigen, einem Trott zu verfallen. Dies kann unschöne Folgen mit sich tragen. Denn durch die soziale und mentale Isolation kommt es zu einem Abbau der oben erwähnten kognitiven Reserve. Werden diese neuronalen Netze nicht benutzt, verschwinden sie irgendwann.

Deshalb sollen Menschen im Alter dazu ermutigt werden, die Komfortzone manchmal zu verlassen. Das kann zum Beispiel das Reisen in eine fremde Stadt bedeuten, in der man noch nie zuvor war, so dass man gezwungen ist, in einer unbekannten Umgebung zu navigieren.

Es gehe darum, sich der Welt gegenüber offen zu zeigen und nicht zu beginnen, seine Welt kleiner zu machen, als sie sein muss, erklärt Dr. Fabiny, die noch einen weiteren Tipp dafür hat: «Suchen Sie eine Freiwilligenstelle, die gut zu Ihren Fähigkeiten passt und gleichzeitig den Kontakt vielen neuen Menschen sowie unbekannten Situationen ermöglicht.»

Training für Körper und Gehirn

Abschliessend sei an dieser Stelle auch noch erwähnt, dass körperliche Aktivität ebenfalls eine wichtige Rolle spielt für die geistige Gesundheit im Alter. «Bewegung erhöht die Sauerstoffversorgung des Gehirns», sagt Dr. Fabiny. «Die Daten zeigen, dass kognitive Beeinträchtigungen durch regelmässiges Training zumindest teilweise verhindert werden können.» Wenn solche Übung neben körperlicher Fitness auch mentales Geschick und Gleichgewicht erfordern wie etwa Golf, sei das optimal. «Wer deine Gegner auf dem Grün besiegt, hat auch gute Chancen ein leistungsfähiges Gehirn zu haben.»

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