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Hörverlust im Alter – Eine stille Epidemie

Ohne einen Moment Nachzudenken kann man den Unterschied zwischen einer Geige und einer Klarinette hören, oder unterscheiden von welcher Seite ein Klang kommt. Doch leider ist ein leichter Grad an dauerhafter Hörschädigung ein unvermeidlicher Teil des Alterungsprozesses.

Hörverlust betrifft vor allem ältere Personen

Ohrenschmalz, Ohrenentzündungen oder das ohrenbetäubende Geräusch eines Flugzeugs beim Start sind häufige Ursachen für einen vorübergehenden Hörverlust. Für viele Personen ist das Problem ernster. Grössere Hörverluste werden mit zunehmendem Alter häufiger, insbesondere ab dem 65. Lebensjahr. Mehr als 30% der über 75-jährigen Personen leiden in der Schweiz unter einem Hörverlust. Männer erkranken häufiger als Frauen an Hörverlust.

Aufbau des Hörorgans

Das Ohr wird in das Innenohr, Mittelohr und das äussere Ohr unterteilt.

  • Der äussere Teil besteht aus der Ohrmuschel und dem Gehörgang.
  • Das Mittelohr besteht aus dem Trommelfell oder der Trommelfellmembran und drei kleinen Knochen oder Gehörknöcheln. Diese werden Hammer, Amboss und Steigbügel genannt.
  • Zu Innenohr gehören die Hörschnecke (Cochlea), die drei halbrunden Kanäle, die für das Gleichgewicht verantwortlich sind, und ein Ende des Hörnervs, das sich mit dem Gehirn verbindet.

Wie Menschen hören können

Das Aussenohr empfängt die Schallwellen im Raum. Der Gehörgang leitet diese an das Trommelfell weiter. Wenn Schallwellen auf das Trommelfell treffen, versetzen sie es in Schwingungen. Die Vibrationen werden entlang der kleinen Knochen im Mittelohr weitergeleitet, bis sie den dritten und letzten Knochen (Steigbügel) erreichen., welcher mit der Hörschnecke verbunden ist.

Der mit der Hörschnecke verbundene Steigbügel leitet die Vibrationen direkt weiter. Die Haarzellen der Hörschnecke verarbeiten diese Vibrationen und setzen wiederum chemische Neurotransmitter frei. Diese chemischen Stoffe aktivieren den Hörnerv, welcher kleinste elektrische Ströme an das Gehirn sendet. Schliesslich werden die Impulse interpretiert und als Ton bzw. Klang wahrgenommen.

Verschiedene Formen von Hörverlust

Im Allgemeinen gibt es drei Typen von Hörverlust. Der leitfähige Hörverlust, der sich aus der reduzierten Menge an Schallübertragung zum Innenohr ergibt. Der sensorineuraler Hörverlust, der sich aus Problemen des Innenohrs ergibt, einschliesslich der Hörschnecke (Cochlea) und des Hörnervs. Der gemischte Hörverlust, der sich aus einer Kombination von leitfähigen und sensorineuralen Problemen ergibt.

Leitfähiger Hörverlust oder Schallleitungs-Schwerhörigkeit

Bei der Schallleitungs-Schwerhörigkeit ist der Gehörgang verstopft und verhindert dadurch, dass Schallwellen das Trommelfell erreichen. Als Hauptursache gilt dicht gepacktes Ohrenschmalz (impaktiertes Cerumen). Weitere Ursachen sind Mittelohrentzündung, eine knochenförmige Überwucherung oder Material, welches zum Reinigen der Ohren dienen soll.

Der leitfähige Hörverlust betrifft vor allem niederfrequente Geräusche und kann in der Regel durch medizinische oder chirurgische Behandlungen geheilt werden. Solche Massnahmen reichen von der einfachen Entfernung von Ohrenschmalz bis hin zur Entwässerung des Mittelohrs und der Reparatur eines beschädigten Trommelfells.

Versuchen Sie im Falle einem Hörverlust niemals, das betroffene Cerumen selbst zu entfernen, da Sie Ihr Trommelfell verletzen könnten. Gehen Sie stattdessen zu einem Arzt oder einer Krankenschwester. Möglicherweise müssen Enthärtungstropfen verwenden werden, bevor das Wachs durch Spülen des Ohres mit warmem Wasser entfernt wird.

Sensorineuraler Hörverlust oder Schallempfindungs-Schwerhörigkeit

Eine Schallempfindungsstörung tritt auf, wenn eine verminderte Funktion des Innenohrs, des Gehirns oder des Hörnervs vorliegt. Viele Menschen mit einem solchen Problem versuchen, dies durch eine höhere Lautstärke auszugleichen. Leider hilft es selten. Patienten können in der Regel zwar hören, dass jemand spricht, aber sie können nicht verstehen, was gesagt wird.

Das häufigste Problem ist der so genannte Presbyakusis, der von der Fachwelt als altersbedingte Dysfunktion der Hörschnecke und ihrer Haarzellen beschrieben wird. Wörtlich übersetzt heisst Presbyakusis so viel wie «älteres Hören». Bei der Presbyakusis beginnt der Hörverlust allmählich, verläuft langsam und betrifft in der Regel beide Ohren gleichermassen.

Die meisten Menschen mit Presbyakusis haben zuerst Schwierigkeiten mit hochfrequenten Klängen, dann allmählich Probleme mit mittel- und dann niederfrequenten Klängen. So kann es vorkommen, dass ein Mann mit Presbyakusis die hohen Worte seiner Frau möglicherweise nicht erkennen, während seine ähnlich betroffene Ehepartnerin die tiefe Stimme ihres Gatten immer noch hören kann. Presbyakusis gehört zum natürlichen Alterungsprozess und lässt sich nicht verhindern.

Anderen Hauptursache für Schallleitungsschwerhörigkeit sind akustische Traumata oder lärmbedingte Hörverlust. Dies ist meist eine Folge von wiederholter Belastung des Ohrs aufgrund überhöhter Lautstärke – und sollten unbedingt vermieden werden. Als weitere Gründe für den sensorineuralen Hörverlust gelten Rauchen, Diabetes, Morbus Crohn, bestimmte Medikamente, Multiple Skerose, Tumore oder die erbliche Vorbestimmung.

Ist eine plötzliche Schallleitungsschwerhörigkeit vorhanden, handelt es sich um einen echten Notfall. Bei einem schweren Hörverlust (meist auf einem Ohr), welcher plötzlich und ohne ersichtlichen Grund auftritt, vermuten Experten meist eine Virusinfektion.

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