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Inkontinenz

Toilette WC

Egal, ob es während eines Essens im Restaurant passiert oder wenn man wegen eines lustigen Witzes zum Lachen gebracht wird – ein unfreiwilliger Urinverlust ist meist mit Peinlichkeiten verbunden. Dementsprechend gilt es bei einer Inkontinenz als erstes, dieses unangenehme Gefühl zu überwinden.

Warum Frauen eher an Inkontinenz leiden als Männer

Bei Frauen ist die Wahrscheinlichkeit einer so genannten Harninkontinenz doppelt so hoch wie bei Männern. Diese Ungleichheit ist auf die folgenden Faktoren zurück zu führen:

  • Anatomie bzw. Struktur der weiblichen Harnwege
  • Schwächung der Harnröhre durch Schwangerschaft und Geburt
  • Verlust von Östrogen während der Menopause

Trotz der Schwierigkeit, mit Inkontinenz zu leben, holen sich weniger als die Hälfte der betroffenen Frauen die nötige Hilfe. Viele sind zu verlegen, um ihr Problem mit einer medizinischen Fachperson zu besprechen, obwohl es effektive Behandlungen gibt.

Inkontinenzformen und Ursachen

Dranginkontinenz:

Darunter versteht man einen ungewollten Harnverlust, mit dem ein starker Drang, Wasser zu lassen, verbunden ist.

Belastungsinkontinenz oder Stressinkontinenz:

Gemeint ist der ungewollte Harnverlust aufgrund von erhöhtem Druck in der Bauchgegend. Dieser Druck kann Husten, Niesen oder durch körperliche Anstrengung, aber auch durch Lachen entstehen. In der Regel geht eine Belastungsinkontinenz mit einem geringen Verlust von Urin einher.

Kombination:

Es kann auch eine Kombination aus Stress- und Dranginkontinenz geben.

Diagnose von Inkontinenz

Um eine Inkontinenz und deren Form zu diagnostizieren, nimmt ein Arzt die allgemeine Krankengeschichte auf und erfragt weitere Eigenschaften zum Urinverlust. Zusätzlich kann eine körperliche Untersuchung folgen. Es gibt verschiedene Tests, bei denen sowohl die Geschwindigkeit als auch der Druck des Urinflusses gemessen werden.

Dranginkontinenz: Behandlung von Inkontinenz und Symptomen

  • Beckenbodentraining / Kegelübungen: Kontraktionsübungen für die Beckenbodenmuskulatur

Bei leichter Inkontinenz wird oft ein Beckenbodentraining empfohlen. Dabei werden die Muskeln bewusst gedrückt und gelöst, um den Urinfluss zu Starten und zu Stoppen. Viele Patienten können dadurch die Dringlichkeit bewältigen und sich für Zeit verschaffen, um auf die Toilette zu gehen. Wer beim Erlernen der Beckenbodenübungen unsicher ist, kann die Technik zum Beispiel mit der Hilfe von Physiotherapeuten erlernen.

  • Medikamente

Wenn eine Dranginkontinenz schwerer ist oder ein Beckenbodentraining nicht weiterhilft, kann der Arzt ein anticholinerges Medikament verschreiben. Diese Medikamente hemmen die ungeeigneten Blasenkontraktionen, welche Inkontinenz-Episoden auslösen.

  • Elektrische Stimulation

Bei dieser Methode werden verschiedene Arten von Geräten verwendet, um die Nerven elektrisch zu stimulieren, welche die Kontraktion der Blasenmuskulatur beeinflussen.

Stressinkontinenz: Behandlung von Inkontinenz und Symptomen

  • Beckenbodentraining

Auch bei leichten Fällen von Stressinkontinenz kann das Beckenbodentraining behilflich sein.

  • Chirurgie

Frauen, die stark betroffen sind, müssen häufig operiert werden. Dafür gibt es mehrere verschiedene Verfahren. Eine der häufigsten Methoden ist der suburethrale Hebegurt, der an der Bauchdecke befestigt wird, um die Harnröhre zu unterstützen und zu verhindern, dass Urin austritt. Das Verfahren ist schnell durchzuführen, die Erfolgsraten sind hoch und die Komplikationen (zu denen Blutungen und Infektionen gehören können) sind gering.

  • Pessar

Ein Pessar ist ein ring- oder kreisförmiges Silikongerät, das in die Scheide eingeführt wird. Es wurde entwickelt, um die Harnröhre zu unterstützen, ähnlich wie ein Harnröhrenriemen. Pessare sind für eine bestimmte Aktivität bestimmt oder können für ein paar Tage am Stück belassen werden. Eine dauerhafte Lösung sind sie aber nicht.

  • Füllstoffe

Diese Methode besteht darin, ein Material wie Kollagen in die Auskleidung der Harnröhre zu injizieren, um diese so zu vergrössern, sodass sie geschlossen bleibt und nicht ausläuft. Die Erfolgsraten bei Füllstoffen sind nicht so vielversprechend wie bei Hebegurten. Trotzdem ist das Injektionsverfahren fast genauso invasiv.

  • Weitere Möglichkeiten

Zusätzlich zu den Behandlungen, die vom Arzt empfohlen oder durchgeführt werden, gibt es gewisse Techniken gegen Inkontinenz, welche die Betroffenen daheim ausführen können. Dazu gehören namentlich:

  • Blasentraining: Man geht nach einem festen Zeitplan auf die Toilette und erhöht allmählich den Zeitabstand zwischen den Besuchen.
  • Begrenzung der Flüssigkeitsaufnahme: Im besten Fall sollten die Betroffenen nicht mehr als 1.8 Liter Flüssigkeit pro Tag trinken. Experten raten dazu, regelmässig kleinere Mengen an Flüssigkeiten zu trinken, anstatt grosse Mengen auf einmal. Um nächtliches Urinieren zu vermeiden, wird den Betroffenen empfohlen, drei bis vier Stunden vor dem Schlafengehen nicht mehr zu trinken. Zu vermeiden sind ausserdem stark kohlensäurehaltige Getränke sowie koffeinhaltige Getränke, die alle eine überaktive Blase verschlimmern können.
  • Abnehmen: Gemäss Experten steht ausser Frage, dass Fettleibigkeit ein wesentlicher Faktor für Inkontinenz ist. Übergewicht lässt weniger Raum für die Ausdehnung der Blase und belastet zusätzlich den Beckenboden, welcher die Blase unterstützt.

Fazit

Inkontinenz ist kein einfaches Problem, das offen diskutiert werden kann. Aber wer seine Hemmungen überwindet und ein Gespräch mit seinem Arzt führt, kann mit Behandlungen beginnen, welche im besten Fall die Lebensqualität deutlich verbessern.

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